Ablauf eines Vielseitigkeitsturniers
Ein Vielseitigkeitsturnier verteilt sich auf drei Tage:
Dressur
Am ersten Tag steht das Dressurreiten auf dem Programm. Dabei stehen Kommunikation zwischen Pferd und Reiter und der Gehorsam des Tieres auf dem Prüfstand. Die Dressurprüfung dauert etwa acht Minuten, in denen Reiter und Pferd achtzehn festgelegte Lektionen präsentieren müssen. Die Dressur innerhalb eines Vielseitigkeitsturniers ist im Vergleich zu klassischen Dressurturnieren auf hohem Niveau weniger anspruchsvoll. So werden Piaffe, Passage, Galopp-Pirouetten oder Galoppwechsel mit schneller Abfolge (so genannte Changements) bei der Vielseitigkeit nicht verlangt.
Gelände
Die Geländeprüfung wird bei einem Vielseitigkeitsturnier am zweiten Tag durchgeführt. Diese Prüfung verlangt Pferd und Reiter psychisch und physisch das meiste ab. Auf einer Strecke von insgesamt etwa fünfundzwanzig Kilometern, wobei auf den letzten sieben Kilometern fünfundvierzig Hindernisse zu überwinden sind, kommt es auf ein gut eingespieltes Team an, wo der eine auftretende Fehler des anderen ausgleicht. Der Ritt durchs Gelände ist in vier Abschnitte (A-D) untergliedert. Für jeden dieser Abschnitte gibt es vorgegebene Zeiten. Im Anschluss an Abschnitt C gibt es eine obligatorische Pause von zehn Minuten, wo ein Tierarzt die physische Verfassung (Atmung, Puls, Gliedmaße) des Pferdes prüft und so gewährleistet, dass das Pferd den nachfolgenden Belastungen gewachsen ist.
Springen
Das Springen findet am dritten Tag des Vielseitigkeitsturniers statt. Zunächst werden alle Pferde gründlich von einem Veterinär untersucht, bevor in umgekehrter Reihenfolge der aktuellen Turnierplatzierung gestartet wird. (Die besten Reiter und Pferde der beiden vergangenen Turniertage gehen als letzte an den Start.) In der Vielseitigkeit hat der Parcours beim Springen eine mittlere Schwierigkeit. Es gibt etwa zwölf Hindernisse mit einer Höhe von maximal 1,20m. Hierbei wird vor allem geprüft, in wie weit das Pferd in der Lage war, sich vom anstrengenden und wichtigsten zweiten Tag des Turniers – der Geländeprüfung – zu regenerieren.
Abschnitte der Geländeprüfung
Abschnitt A
Der erste Abschnitt der Geländeprüfung führt Pferd und Reiter über Straßen und Wege. Er hat eine Länge von 4400 bis 5500 Metern, die im langsamen Galopp oder Trab zurückgelegt wird. Die durchschnittliche Geschwindigkeit beträgt dabei 13,2km/h. Pferd und Reiter haben etwa zwanzig bis fünfundzwanzig Minuten Zeit um Abschnitt A zu bewältigen.
Abschnitt B
Bereits im zweiten Abschnitt der Geländeprüfung bekommen es Pferd und Reiter mit Hindernissen zu tun. Die Hindernisstrecke hat eine Länge von über drei Kilometern, eine Breite von etwa vier Metern und wartet mit acht bis zehn Hindernissen mit Höhen von bis zu 1,40m auf. Dieser Abschnitt wird im Galopp geritten, wobei das Pferd durchschnittliche Geschwindigkeiten von bis zu 41,4km/h erreicht. Insgesamt stehen für die Beendung von Abschnitt B weniger als fünf Minuten zur Verfügung.
Abschnitt C
Der dritte Abschnitt führt Pferd und Reiter wieder auf Straßen und Wege. Die Wegstrecke beträgt zwischen 7700 bis 9900 Metern, die wie in Abschnitt A im langsamen Galopp oder Trab geritten wird. Der zeitliche Rahmen liegt zwischen fünfunddreißig und fünfundvierzig Minuten.
Abschnitt D
In Abschnitt D geht es querfeldein ans „Eingemachte“. In nur dreizehn bis vierzehn Minuten müssen Pferd und Reiter eine Strecke von 7410 bis 7980 Metern mit fünfundvierzig Hindernissen meistern. Der vierte Abschnitt wird im Galopp geritten, wobei Geschwindigkeiten von bis zu 34,2 km/h erreicht werden.